Kirche und Pfarrei St. Marien

Die Trappisten hatten in den ersten Jahren ihrer Anwesenheit in Maria Veen in erstaunlich rascher Folge ein großes Gebäude nach dem anderen errichtet. Als sie ein Dutzend Jahre in Reken gearbeitet und gebetet hatten, war in der kargen Moorland- schaft ein Zentrum mönchischen Lebens entstanden, in dessen Ausstrahlung hunderte von Nichtsesshaften wieder zu einem geregelten Leben gefunden hatten. Pfarrer Harrier ist von dem Bautempo so beeindruckt, dass er in seiner Chronik bewundernd feststellt: "Jedes Jahr Wuchs wie ein Pilz aus der Erde ein großer Neubau.“ Doch das Jahrhundert war zu Ende, und noch immer hatten die Trappisten nicht, was sie als Mönche für ihr Chorgebet vor allem ersehnten; eine würdige Klosterkirche. Ihr zisterziensisches Klosterquadrat bedurfte dringend der Vollendung.
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 Kloster St. Marien
Im Oktober 1901 war es endlich soweit. Zwar waren die Patres außer einem bescheidenen Zuschuss vom Verein ganz auf ihre eher bescheidenen Eigenmittel angewiesen. Aber das hochragende Gebäude im neuromanischen Stil jener Zeit war mit 550 Sitzplätzen erstaunlich großzügig konzipiert und wurde handwerklich sehr gewissenhaft ausgeführt. Mit dem soliden Klinker und dem kleinen Dachreiter, ganz im Stil zisterziensischer Armut, passt die Kirche gut in diese Gegend und charakterisiert seitdem eindrucksvoll das Ortsbild.
Dankbar und froh feierte die Ordensgemeinde den 5. Juli 1905, an dem Weihbischof Max Gereon von Galen die Kirche St. Marien einweihte. Ein geräumiger Chor mit zweireihigem wuchtigem Chorgestühl zu beiden Seiten bot Platz für die Priestermönche einer großen Abtei, mehrere Bankreihen im Hauptschiff waren für die Brüdermönche reserviert. Erst dahinter stand die Kommunionbank, fast schon in der Mitte der Kirche. So wurde deutlich, dass die Gläubigen des Ortes im Grunde nur Gäste sein konnten bei dem feierlichen Gottesdienst der Klostergemeinde.
Erstaunlich dennoch, wie relativ viel Raum das arme Kloster für die damals noch recht geringe Zahl der Ortsbevölkerung vorgesehen hatte. Dieser weitsichtigen Großzügigkeit ist es zu danken, dass 1952 beim endgültigen Weggang der Trappisten das Bistum Münster die Klosterkirche ohne jede Veränderung als Pfarrkirche übernehmen konnte. Bis dahin hatte es zwar rein rechtlich keinen selbständigen Seelsorgsbezirk Maria Veen gegeben, zuständig blieb all die Zeit die Pfarrei St. Heinrich in Groß Reken. Aber in den mehr als 6 Jahrzehnten waren die schweigenden Mönche der Bevölkerung so sehr ans Herz gewachsen, dass ihr Weggang große Enttäuschung, ja Empörung auslöste. Was Pater Eustachius am 14. September 1952 in seiner Abschiedsrede sagte, blieb seinen Hörern unvergesslich und fand ihre volle Zustimmung:
Noch in fernen Zeiten werden die Steine davon reden, was die Trappisten für Maria Veen bedeutet haben.
Als vom gemeinsamen Ursprung her mit den Trappisten verwandte Ordensgemeinschaft übernahmen zu deren Genugtuung die Mariannhiller Missionare auch die Seelsorge von Maria Veen. Doch da für sie der Wechsel ziemlich überraschend gekommen war, musste zunächst ein Neupriester, P. Walfried Penzkofer, die nicht leichte Aufgabe übernehmen, in Maria Veen eine selbständige Seelsorgstelle aufzubauen. Am 21. September 1952 übernahm er den Gottesdienst. Anfang Oktober kam dann P. Hugo Schmitz dazu. Als ein erfahrener Priester und aus dem angrenzenden Rheinland stammend, schien er gut geeignet, erster Pfarrer von Maria Veen zu werden. Allein, schon nach wenigen Wochen erkrankte er so schwer, dass er nach Würzburg zurückversetzt werden musste, wo er nur noch wenige Wochen lebte.
Mit Beginn des Jahres 1955 übernahm dann der langjährige Novizenmeister der deutschen Provinz P. Augustin Bögle das Amt eines Pfarrektors von Maria Veen. Zunächst ging es vorwiegend um Aufbauarbeit. Vieles war noch unklar. Selbst die Grenzen der Pfarrei wurden zunächst als unsicher angesehen.
Eine Gottesdienstgemeinde gab es seit langem; aber vom Messbuch bis zum Ministrantenrock fehlte der Pfarrei alles, denn bisher hatte das Kloster allein für den Gottesdienst gesorgt. Doch auch Pater Augustin hatte bald gesundheitliche Schwierigkeiten und musste nach wenigen Monaten Maria Veen verlassen. Doch hatte nun wenigstens ein eigentliches Pfarrleben begonnen. Für Taufen, Hochzeiten und bald auch Beerdigungen mussten die Maria Veener nicht mehr hinüber nach Groß Reken. Maria Veen hatte endgültig ein Eigenleben gewonnen. 
Einige Monate lang wurde die Seelsorge von Aushilfspriestern versehen. Im November 1955 kam dann mit P. Dr. Rudolf Kneipp der erste Seelsorger, der für einen längeren Zeitraum hier bleiben sollte. Er war es gewesen, der im Jahr zuvor das Kloster Maria Veen für die Mariannhiller Missionare übernommen hatte. Nachdem seine sechsjährige Amtszeit als Oberer der Deutschen Ordensprovinz abgelaufen war, konnte er nun vor Ort fortsetzen, was seiner Initiative als Provinzial zu verdanken war. 
Obwohl er als Doktor der Theologie und langjähriger Ordensobere für eine Tätigkeit in der praktischen Seelsorge im damals noch recht bäuerlichen Maria Veen anscheinend nicht besonders prädestiniert war, wurden seine Klugheit und seine markanten Predigten sehr geschätzt. Ihm folgte als Pastor P. Robert Helfels. Als Rheinländer fand er mit seiner fröhlichen und volkstümlichen Art schnell Kontakt und wurde ein beliebter Seelsorger. Im August 1962 verließ er Maria Veen um eine Pfarrei im Erzbistum Paderborn zu übernehmen, und der Superior des Klosters, P. Gotthardt Wojaczek, übernahm auch die Pfarrseelsorge. Er war erst zwei Jahre vorher aus Schurgast im ehemaligen Oberschlesien gekommen, wo er als letzter Mariannhiller die Sprengung des dortigen Missionshauses durch die SS miterleben musste. Er hatte später als Seelsorger in Schurgast unter den Schikanen der polnischen Kommunisten viel zu leiden gehabt, war sogar im Gefängnis gewesen. Mit großem Engagement übernahm er trotz seiner 60 Jahre seine neue Aufgabe. Als er mit dem Ende seiner Amtszeit als Klosteroberer Maria Veen verließ, hatte das Eigenleben der Pfarrei beträchtlich an Gesicht gewonnen. Als sichtbarstes Zeichen zeugt noch heute der in seiner Zeit konzipierte Glockenturm von seiner Initiative.
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 St. Marien
Mit seinem Nachfolger P. Palotti Schanz erhielt Maria Veen dann endlich einen Pastor, dem es vergönnt war, in wirklich langjähriger Aufbauarbeit dem Leben der Pfarrei Kontinuität zu geben und auch längerfristige Pläne zu verwirklichen. Er unternahm es zunächst, die Pfarrkirche im Sinne des Konzils umzugestalten. Ein Hauptanliegen war ihm die Mitwirkung der Gemeinde an der Liturgie. So ließ er den Altartisch, der von den Ursprungstagen der Klosterkirche her in Maria Veen immer besonders weit von den Bänken der Gläubigen entfernt gewesen war, weit zur Mitte hin aufstellen. Damit erhielt die Kirche in etwa ihr heutiges Ansehen.
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 St. Marien

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