Benediktushof 

 Neben der Sorge um die Wanderarbeiter war die Trinkerfürsorge eine der Aufgaben, die sich der Verein für Kath. Arbeiterkolonien gestellt hatte. Es zeigte sich bald, dass diese (sollte sie Breitenwirkung haben) differenzierter gestaltet werden musste. Wohl hatte man sich auch in der Kolonie immer schon der Trinkerheilung angenommen, denn sie war dort vielfach unumgänglich. Doch wurden hier zumeist nur Süchtige der unteren sozialen Schichten erfasst. Die Kranken aus besseren häuslichen Verhältnissen scheuten sich, eine Entziehungskur in Maria Veen mitzumachen. Um auch diese betreuen zu können, beschloss der Verein, ein eigenes Haus zu errichten, das solchen Bedürfnissen Rechnung trug. Es sollte eine individuellere Note bekommen, nicht zu viele und zu große Gemeinschaftsräume, sondern mehr Einzelzimmer haben und unter ärztlicher Betreuung eines Hausarztes stehen. Zu den Kosten müssten die Patienten beisteuern. So entstand im Jahre 1901 unweit der Kolonie gegenüber den Bahngleisen der „Bernardushof `, benannt nach dem Ordensstifter der Trappisten, die auch die Leitung dieses Hauses übernahmen.
  • Bernadushof_1902
  • Bernadushof1
 Bernadushof 1902 Bernadushof 1902
Erster Vorsteher wurde Pater Maurus. Die Anstalt wurde sehr gut besucht, vor allem auch von solchen Suchtkranken, die aus eigenem Antrieb von dem Übel befreit werden wollten. Aber auch von anderen Seiten Eingewiesene belegten die Zimmer. Hier war der Erfolg nicht sehr groß, da vor allem die Motivation zur Heilung fehlte. Da der Bernardushof ständig überfüllt war, musste an den Bau eines weiteren Gebäudes gedacht werden, welches 1915 seiner Bestimmung, zunächst als Bernardushof ll, ebenfalls als „Trinkerheilanstalt“, wie es damals so schön hieß, übergeben wurde.
  • Bernadushof_II_später_Benediktushof
 Bernadushof II später Benediktushof
 1915 kaum eingerichtet, wurde in beiden Häusern die Behandlung der Alkoholkranken beendet, und 1917 zogen dann sog. Fürsorgezöglinge in den neuen „Bernardushof“ ein. 2 Patres und 3 Brüder widmeten sich der nicht leichten Erziehungsarbeit, aus der sie sich aber 1921 auf Ordensbeschluß zurückzogen. 1915 war der alte Bernardushof mit 200 französischen Kriegsgefangenen belegt, die in der Moorkultivierung und im Wege- und Straßenbau eingesetzt wurden.
In den ersten Zwanzigerjahren waren die relativ wenigen Heime und Ausbildungsstätten für Körperbehinderte restlos überfüllt und das Personal überfordert. So konnte z.B. das Josefsheim in Bigge, eine Anstalt der Josefsgesellschaft für Krüppelfürsorge in Köln, zu Ostern 1924 fast 400 Aufnahmegesuche nicht berücksichtigen. Auf der Suche nach einem neuen Haus wurde die Leitung der Gesellschaft auf die leerstehenden Räume in Maria Veen aufmerksam. Nach Rücksprache mit dem Leiter der Kath. Arbeiterkolonie, Herrn Präsidenten Schmedding, wurde man sich bald einig, und die Josefsgesellschaft konnte die beiden „Bernardushöfe“ nebst den dazugehörenden Gebäudekomplexen von 20 Morgen, davon 10 Morgen Garten und 10 Morgen Kiefernwald (den heutigen Ortsteil Maria Veen gab es in dieser Form damals noch nicht), pachten. Am 24. April 1924 wurde das Areal dann von der Josefsgesellschaft für Krüppelfürsorge, wie die Bezeichnung damals lautete, übernommen.
Allmählich, unter erheblichem persönlichen Einsatz der ersten Bezieher wurden die Häuser wieder wohnlich. Der neuere Bernardushof wurde in „Benediktushof“ umbenannt. Wie aus verschiedenen Berichten hervorgeht, müssen die beiden Häuser völlig verwahrlost gewesen sein, keine Fenster- scheiben waren heil, die Fensterrahmen waren heraus, keine Tür, die nicht beschädigt war, die Treppengeländer abgebrochen und in der Umgebung eine wüste Steppenlandschaft. Nach und nach wurden die Heime bewohnbar.
Von den Vinzentinerinnen aus Köln-Ehrenfeld kamen die ersten Schwestern mit ihren auffälligen weißen, großen Kopfhauben. Anfang Juli 1924 konnte dann zunächst der Bernardushof seiner vorläufigen Bestimmung übergeben werden. Es wurden da etwa 60 kranke, unterernährte Kinder untergebracht, die vom Landesfürsorgeverband nach dort überwiesen Waren. Der Benediktushof war mittlerweile auch so weit eingerichtet, was den Wohnteil anging.
  • Sr_Oberin_Leopoldine_1930-1936
 Sr Oberin Leopoldine 1930-1936

 Mittlerweile waren auch dort einige Lehrwerkstätten untergebracht, so dass im Juli 1924 66 behinderte Lehrlinge von Bigge übernommen werden konnten. Es waren dies Schneiderei, Schuhmacherei und die Buchbinderei. Später kamen dann noch die Drechslerei und die Korbmacherei hinzu. Für die Meister wurde an der heutigen Poststraße, damals noch ein Heideland, ein Haus für 4 Meisterwohnungen erstellt.

1926 Waren bereits 123 Lehrlinge im Benediktushof untergebracht, während der Bernardushof mit 28 Pfleglingen nur knapp zur Hälfte belegt war. Im Jahre 1929 wurde dann ein langes Vorhaben der Josefsgesellschaft realisiert, und beide Häuser mit 40 Morgen Boden konnten per Kaufvertrag vom 1. April 1929 erworben werden zu der damaligen Summe von 400.000,- Mark. So konnte nun ohne vorherige Genehmigung der Arbeiterkolonie Verwaltung frei gestaltet und gebaut werden. Und so Wurden dann, besonders in den Jahren 1929 und 1930, erhebliche Neu- und Umbauten ausgeführt

Eine eigene Ökonomie sorgte für die Verköstigung.
Die Ausbildung erfolgte in der Korbmacherei (Meister Bönte),
in der Schlosserei (Meister Paulfeuerborn),
in der Schneiderei (Meister Locken),
in der Schreinerei (Meister Nieweıth),
in der Schuhmacherei (Meister Lohbreier).
Im Hause wurde auch der Berufsschulunterricht erteilt, und so konnte am 9. Dezember 1924 bereits die erste Gesellenprüfung im eigenen Hause durchgeführt Werden. 6 junge Gesellen erhielten die Lossprechung.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges brachte erhebliche Veränderungen. Aus anderen Heimen der Gesellschaft, die teilweise Lazarette oder anderer Verwendung zugeführt wurden, mussten die Insassen mitaufgenommen werden. Es herrschte nun in Maria Veen eine rechte Enge. Einige Meister und Ausbilder wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Truppenteile wurden vorübergehend einquartiert. Trotzdem konnte der Ausbildungsbetrieb erweitert werden.
Zusätzlich wurde Ausgebildet in folgenen Berufern
Maler- und Anstreicherei (Meister Franz Faltmann),
Buchbinderei (Meister Hermann Evers),
Bürstemnacherei (Meister Schoppmeier),
Drechslerei (Meister Droste)
Gärtnerei (Meister Helmer).
  • 1947 Benediktushof
 1947 Benediktushof
Der Bernardushof hatte körperbehinderte Kinder aufgenommen, die zum größten Teil schulpflichtig waren. Hier war eine Volksschule mit entsprechenden Lehrkräften eingerichtet. Für die Schulentlassenen, aber auch für ältere weibliche Körperbehinderte wurden hier wie auch im Benediktushof Lehrwerkstätten eingerichtet. So eine Damenschneiderei und eine Werkstatt für „Weißnäherei“.
Ende 1945 wurde der Benediktushof immer mehr Aufnahmelazarett für Beinamputierte, während der Bernardushof fast ausschließlich der Umschulung bzw. Weiterschulung der Kriegsversehrten diente. Nur zögernd konnten beide Häuser nach dem verlorenen Kriege ihren Betrieb wiederaufnehmen, für den sie von der Josefsgesellschaft eigentlich erworben waren: zur Unterbringung, zur Betreuung und zur beruflichen Ausbildung von körperbehinderten Jugendlichen. Die beiden Hauser waren zunächst aber noch voll belegt. Im Benediktushof waren die Schlafsäle mit kranken und pflegebedürftigen Flüchtlingen aus dem Osten belegt, im Bernardushof wurden ehemalige Soldaten umgeschult, die wegen der Kriegsverletzungen oder aus anderen Gründen ihren Beruf nicht ausüben konnten. Erst 1949 konnte der Bernardushof ganz seiner früheren Aufgabe zugeführt werden.
Die Leitung der Häuser lag in den bewährten Händen des Direktors Nielbock. Geschäftsführer war Herr Kötte. Für seine Verdienste um die Betreuung der körperbehinderten Menschen wurde Herr Nielbock vom damaligen Papst Pius XII. zum „päpstlichen Heimprälaten“ ernannt. Im April 1969 trat er dann seinen verdienten Ruhestand an und verstarb im Alter von 82 Jahren am 6. November 1980. Sein Nachfolger wurde Herr Josef Braun, der 1952 zunächst als Geschäftsführer nach Maria Veen kam und danach als Direktor das Rehabilitations-Zentrum und das Berufsbildungswerk leitete.
Das äußere Bild der Gebäude hatte sich nach dem Kriege sehr gewandelt. Große Um- und Neubauten entstanden nach und nach.
Im Jahre 1952 waren es bereits 56 Lehrlinge, die die Prüfung bestanden. Im August 1952 konnte der Umbau des Bernardushofes eingeweiht werden. Die Freizeitgestaltung war ein vordringliches Problem. Es gab eine Blaskapelle, ein Tonfilmgerät, eine Theatergruppe, und auch der Sport kam nicht zu kurz. Der Schachclub war schon in der Nachbarschaft als leistungsstark bekannt.
Im Juni wird alljährlich unter großer Beteiligung, auch der Maria Veener Bevölkerung, das Schützenfest gefeiert. 1955 wurden die Werkstätten erweitert, und 1946 konnte endlich die lange beantragte Berufsschule fertiggestellt werden.
  • Schützenthron_2014
 Schützenthron 2014
Anlässlich der Einweihung der Neubauten bemerkte der eingeladene Staatssekretär mit Recht: „Aus einer Wüste (in Anspielung auf den Zustand nach dem 1. Weltkrieg) ist ein Paradies geworden.“ Im neuen Bernardushof waren die Kinder und die weiblichen Pfleglinge untergebracht. lm Jahre 1964, im Juli, konnte dann die inzwischen erstellte Sonder- schule eingeweiht werden, die von 45 Kindern besucht Wurde. Der Bernardushof war in seiner fast vierzigjährigen Geschichte immer ein Mädchenheim gewesen. Nun kam 1966 auch noch ein Jungen-Kinderheim hinzu.  
1967 wurde wieder gebaut und ein Wohnheim für die Ordensschwestern und Mitarbeiter der Anstalt erstellt. Im Jahre 1969 wurde dann der alte Bernardushof, so wie ihn die Patres damals als Trinkerheilanstalt gebaut hatten, abgerissen. Die Zeit bleibt niemals stehen. Neue Anforderungen an die Ausbildung und Pflege der behinderten Kinder machten dies erforderlich. Ein besonderes Ereignis war die Grundsteinlegung am 51. Oktober 1974 für einen Großbau, der das Berufsbildungswerk aufnehmen sollte, mit voraussichtlich 300 weiteren Ausbildungsplätzen, der dann 1978 fertiggestellt war.
58 Mio. DM wurden investiert, und mit Stolz konnte man in Reken vermerken, dass das Rehabilitations- Zentrum in Maria Veen eines der größten in der Bundesrepublik darstellt.
Nach einer für die Häuser, und besonders aber auch für die Menschen in den Häusern. erfolgreichen dreijährigen Tätigkeit verstarb Direktor Braun im Jahre 1982. Sein nicht minder tüchtiger Nachfolger im Jahre 1985 wurde Direktor Lichte. Auch unter seiner Leitung ging die Bautätigkeit weiter. Die Renovierung und Umgestaltung des Benedik- tushofes wurde in Angriff genommen, und eine neue, schöne Kapelle mit einer darunter gelegenen Begegnungsstätte für alle wurde erbaut. Der neue Name „Benediktushof Maria Veen, Rehabilitations-Zentrum für Körperbehinderte“ ist nunmehr, man kann mit Stolz sagen. in der Bundesrepublik ein Begriff geworden. Der Träger der Anstalt ist nach wie vor die Josefsgesellschaft e.V. mit Sitz in Köln. Es gibt hier in Maria Veen nunmehr eine Schule für Körperbehinderte. eine Sonderschule, ein Internat/ Schule für Körperbehinderte, das Berufsbildungswerk, eine Werkstatt für Behinderte und ein Wohnheim für Erwachsene und Schwer-Mehrfachbehinderte.
Im Jahre 2002 Werkstatt-Außenstelle St. Vinzenz nimmt Betrieb mit Elektromontage-Arbeiten im Gewerbegebiet auf.
2009 Auszug von 17 Bewohnern aus dem Heim in die Selbstständigkeit (ambulant betreutes Wohnen) im neu erbauten Apartmenthaus im Ortszentrum.

  • Haus_am_See

  • Benediktushof1
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 Haus am See  Benediktushof  Benediktushof
  • Haupteingang_Benediktushof
   
Haupteingang Benediktushof    

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